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AG Wasser pflanzen – Idee und Aktionen

Die Vorgeschichte: Die Prignitz im Frühjahr 2022. Wieder ein erstes Halbjahr mit so wenig Regen wie kaum zuvor. Die Bäume leiden sichtbar. Die ersten Ackerflächen werden Anfang Juni gelb. Sie sind zu trocken.

Woher soll der Regen kommen? Riesige brandenburgische Ackerflächen sind im Frühjahr noch nackter Boden oder sehr spärlich bewachsen. Der Wald: vorwiegend Kiefer-Monokultur. Wolken und damit Regen, über dem Inland entstehen im allgemeinen durch Wasserverdunstung von Pflanzen und insbesondere von Laubbäumen. Was können wir tun? Bäume pflanzen! Möglichst viele Laubbäume!Wo sollen all die Bäume herkommen? Bäume wachsen überall. Oft auch da, wo wir sie gar nicht haben wollen. Wir nutzen diese Vielfalt, retten diese Bäume und pflanzen sie auf Freiflächen.

So begann es zum Weltkindertag am 20. September 2022: Gemeinsam mit Vielen ein Zeichen für nachhaltiges Handeln und die Zukunft setzen. Die AG »Gewaltfreie Erziehung Prignitz«, die „Ekidz“, Evangelische Schule Pritzwalk und Aktive von »Zukunft Mit Machen« schenkten mit dem Projekt »Wasser pflanzen« dem Weltkindertag besonderes Augenmerk. Das Wichtigste nachfolgend:

Baumpflanzaktionen / Mulchaktionen Frühjahr und Herbst jährlich seit 2022:

  • Freifläche an der Umgehungsstraße Pritzwalk (ca. 1000qum2)
  • Freifläche an der Umgehungsstraße Perleberg ( ca. 2 Ha)
  • Bäume pflanzen an der Kapelle / Dorf Nettelbeck bei Putlitz
  • diverse Einzelpflanzaktionen bei Organisationen, unerkannt und Hofeinsätze

Wir sind offen für weitere Pflanzflächen. Wenn du Interesse hast melde dich unter ichwill@zukunftmitmachen.de

Bäume auf die Äcker

  • Teilnahme an der Initiative „Agroforst jetzt!“
  • Durchführung  Agroforst-Info-Veranstaltungen bei Landwirt Rainer Guhl in Düpow/Perleberg in Kooperation mit der DeFAF und der Kreiskirche , sowie eine weitere Veranstaltung zu Agroforst im  Waldgarten Kyritz in Kooperation mit Stattwerke e.V.

Aktuell: Biodiversität und Freiflächenbepflanzung

Danke für Euer Engagement für den Naturschutz. Wir haben auf den Freiflächen gemeinsam mit Euch in den letzten Jahren viele Eurer Bäume pflanzen dürfen, das ist großartig!

Nun hat uns die untere Naturschutzbehörde kontaktiert und darauf hingewiesen, dass wir in der freien Landschaft nur Bäume pflanzen dürfen, die dem Brandenburger Gehölzerlass entsprechen.

Jetzt könnte man genervt sein, dass wir eine Limitation und Anforderung an unser ehrenamtliches Engagement gestellt bekommen. Aber im Grunde genommen ist diese Anforderung ganz in unserem Sinne: Sie stellt sicher, dass wir ausschließlich heimische Baum- und Straucharten verwenden – und das ist entscheidend für den Erhalt der Artenvielfalt.

Warum?

Heimische Gehölze haben sich über Jahrtausende gemeinsam mit unseren heimischen Insekten und anderen Tieren entwickelt. Ein Großteil der Schmetterlingsraupen, Wildbienen, Käfer und andere Insekten sind auf ganz bestimmte Pflanzen spezialisiert. Beispielsweise dient die Sal-Weide über 200 Insektenarten als Nahrungsquelle, darunter zahlreiche Wildbienen, deren Larven auf die Pollen dieser Pflanze angewiesen sind. Oder auch die Stieleiche ist für mehr als 500 Insektenarten lebenswichtig, darunter viele Raupen von Schmetterlingen, die wiederum Vögeln als Nahrung dienen.

Ganz anders sieht es bei Neophyten aus – also Pflanzen, die ursprünglich nicht in unserer Region heimisch sind. Viele dieser eingeführten Arten bieten heimischen Insekten leider keine oder kaum Nahrung, weil sie nicht an diese Pflanzen angepasst sind. Ein Beispiel ist die Späte Traubenkirsche aus Nordamerika, die sich in Brandenburg stark ausbreitet. Sie wird jedoch von nur wenigen Insekten genutzt und verdrängt dabei heimische Gehölze. Ähnlich problematisch ist die Robinie. Obwohl ihre Blüten für einige ungefährdete Generalisten unter den Bienenarten attraktiv sind, trägt sie kaum zur Unterstützung der heimischen Insektenvielfalt bei, weil die überwältigende Mehrheit an Insekten mit ihr keinen Lebensraum findet und die Robinie sehr aggressiv heimische Pflanzen verdrängt. Zudem verändert sie durch ihre Fähigkeit, Stickstoff zu binden, die selten gewordenen nährstoffarmen Standorte, die die höchste Artenvielfalt aufweisen und verdrängt so spezialisierte Pflanzenarten, die auf mageren Böden gedeihen.

Immer häufiger wird argumentiert, dass wir angesichts des Klimawandels auf trockenheitsresistente „Klimabäume“ setzen sollten, die ursprünglich aus trockeneren Regionen stammen. Doch diese Bäume sind für die Artenvielfalt leider sehr problematisch.

Die meisten dieser nicht heimischen Bäume sind für die meisten hiesigen Insekten unbrauchbar. Die spezialisierten Raupen und Käfer, die sich an diese Bäume angepasst haben, leben in ihren Herkunftsregionen – nicht bei uns. Die Anpassung der heimischen Tierwelt an neue Baumarten geschieht nicht innerhalb weniger Jahrzehnte. Evolutionsprozesse dauern Jahrtausende – daher ist es für die Tierwelt so fatal, wenn heimische Arten gegen Neophyten ausgetauscht werden.

Klimabäume können sich in bestimmten Bereichen invasiv ausbreiten und dabei wertvolle heimische Lebensräume verändern oder zerstören.

Stattdessen sollten wir trockenheitsresistente heimische Arten bevorzugen, wie etwa die Feldulme oder der Wildapfel die besser mit steigenden Temperaturen zurechtkommen, aber dennoch einen hohen ökologischen Nutzen haben – zum Glück gibt es auch in Deutschland sehr viele trockenheitsresistente Pflanzen.

Indem wir uns auf heimische Arten konzentrieren, helfen wir also auch Bienen, Schmetterlingen und Vögeln, die von diesen Pflanzen leben.

Wenn ihr euch jetzt fragt, wie ihr diese Pflanzen bestimmen könnt, gibt es eine recht einfache Lösung: die App Flora Incognita bestimmt schnell und einfach Bäume und Sträucher. Wenn ihr also zukünftig Pflanzen zu den Pflanzaktion mitbringt, schaut vorher, ob sie bei uns wirklich heimisch sind. Eine Liste mit den Brandenburger Gehölzeerlass haben wir euch angehängt.

Vielen Dank für eure Unterstützung!

Nächste Baumpflanzaktionen immer ab März oder Oktober, bitte melden unter ichwill@zukunftmitmachen.de